Bei diesem Thema gibt es zwei Seiten. Einerseits könnte der Bewerber die Kommunikation plötzlich während des laufenden Vorstellungsprozesses einstellen, andererseits kann dies auch vonseiten des Unternehmens passieren.
Ghosting hat Folgen für beide Seiten und in der Regel auch Gründe, die dafür verantwortlich sind, dass die eine Seite wie ein Geist verschwindet. Für Unternehmer hat das auch hohe Kosten zur Folge. Und für Bewerber kann sich das Ghosting auch zum Eigentor entwickeln.
Warum tritt Ghosting im Recruiting immer öfter auf?
Frustrierend und kostspielig, so lassen sich die Folgen von Ghosting im Recruiting zusammenfassen. Wenn Unternehmen dabei sind, qualifizierte Kandidaten zu rekrutieren, geht es auch immer um Zeit, Kosten und Ressourcen.
Verschwindet der Bewerber dann einfach kommentarlos aus dem Prozess, sind die Personaler ratlos und auch machtlos. Dass Bewerber nicht mehr erreichbar sind, kann in jeder Phase des Bewerbungsprozesses auftreten.
Häufig, aber nicht ausschließlich, sind Unzufriedenheit und schlechte Erfahrungen des Bewerbers an irgendeinem Punkt im Prozess die Gründe für Ghosting. Wer sich nicht wertgeschätzt fühlt, entscheidet sich oft dafür, die laufende Kommunikation nicht fortzusetzen. Seltener sind es persönliche Gründe und private Ereignisse, warum Bewerber von jetzt auf gleich den Kontakt zum Unternehmen abbrechen.

Quelle: https://recruiting.xing.com/de/downloads/studienergebnisse-arbeitsmarkt-2025/
Schleppende Prozesse sind immer häufiger der Grund
Der aktuelle XING-Arbeitsmarktreport 2025 zeigt, dass Kandidaten immer weniger Geduld beim Feedback von Unternehmen haben, wenn es eine laufende Bewerbung gibt. Die Umfrage zeigt, dass rund ein Drittel der Jobsuchenden, 31 Prozent, eine Rückmeldung auf ihre Bewerbung innerhalb einer Woche erwarten. Für weitere 45 Prozent sind zwei Wochen ausreichend. Allerdings sind nur 18 Prozent der Meinung, das Unternehmen kann sich drei oder mehr Wochen Zeit lassen.
Mit einem Wert von fast der Hälfte ist klar: Wer im War of Talents nicht das Nachsehen haben will, muss sich beim Start von relevanten Prozessen für die Auswahl geeigneter Kandidaten beeilen. Kommt es dann nicht wie gewünscht zur schnellen Reaktion, erhält der Personaler häufig keinerlei Antwort oder Reaktion mehr vom Bewerber. Das Ghosting kann hier als Trotzreaktion verstanden werden.
Den kurzen Reaktionszeiten, die in der Erwartungshaltung der einen Seite stecken, stehen der realen durchschnittlichen Bearbeitungszeit von 165 Tagen gegenüber, die Unternehmen für eine Stellenbesetzung benötigen. Es kommt zu direkten Auswirkungen der Candidate Experience. Wer sich überhaupt nicht auf eine eingegangene Bewerbung meldet, verärgert laut Umfrage 42 Prozent der Teilnehmer nachhaltig.
Welche Folgen hat Ghosting?
Die Herausforderungen für Unternehmen sind enorm. Fehlt es an passenden Strategien oder der bedarfsgerechten Unterstützung von Recruitern, setzen sich solche Phasen ungehindert fort. Die Funkstille kostet zudem natürlich auch Geld, denn wenn es zu wortlosen Abgängen kommt, hat in den meisten Fällen bereits ein Aufwand stattgefunden. Aber die Folgen sind weitreichender als die Verschwendung von Ressourcen.

Quelle: https://www.randstad.de/ueber-randstad/presse/personalmanagement/kandidaten-ghosten-unternehmen/
Kommt es häufiger vor, dass sich Bewerber von Unternehmen geghostet fühlen, spricht sich das herum. Extern zeigen das unter anderem negative Bewertungen und Rezensionen auf Karriereportalen. Beides könnte den weiteren Weg der ohnehin schwierigen Suche nach neuen Mitarbeitern behindern und noch teurer machen. Dazu leidet der Ruf einer Organisation, wenn sich potenzielle Kunden im Internet informieren und über die schlechten Erfahrungen von geghosteten Kandidaten stolpern.
Erscheint der Kandidat einfach nicht zum Termin und beantwortet keinerlei Kommunikation, sollten sich Unternehmen fragen, ob ihre Prozesse ideal strukturiert sind. Stundenlange Vorbereitungen für Stellenanzeigen, oder aufwändige Terminabstimmungen mit Fachabteilungen führen oft zu Verzögerungen. Auch unbesetzte Urlaubsvertretungen können zur Folge haben, dass es zu wortlosen Abgängen von Bewerbern kommt.
Weitreichend, aber durchaus auch möglich, sind Anzeichen von Demotivation in Teams. Wird dem Ghosting nicht nachgegangen und/oder kommt es innerhalb einer Organisation häufiger vor, spricht sich das auch unter den Beschäftigten herum. Sie könnten das Gefühl bekommen, es mangele dem Management an Wertschätzung der Human Resources, also der Mitarbeiter. Mittel- und langfristig könnte das zu demotivierendem Verhalten führen.

Quelle: https://research.appinio.com/#/de/survey/public/cKNU4yjz7
Nicht zuletzt haben Unternehmen auch oftmals Angst, eine Absage könnte zu juristischen Folgen führen. Abhängig von der Formulierung können auch mögliche Gründe für eine Absage von Bewerbern juristisch aufgearbeitet werden.
Warum Kandidaten Unternehmen ghosten
Das Testen des eigenen Marktwertes kommt gar nicht so selten vor, wie man meinen könnte. Allerdings sind es häufig andere Gründe für das abrupte Abbrechen jeglicher Kommunikation mit dem Unternehmen. Manchmal ist schlichtweg im Laufe des Bewerbungsprozesses ein besseres Angebot eingegangen. Immer wieder nehmen Bewerber ihre Jobsuche auch nicht ernst genug oder haben ohnehin nicht daran geglaubt, dass das Unternehmen sie einstellen wird.
Eine Absage zu schicken, ist sicherlich etwas unangenehm. Der Bewerber denkt vielleicht, dass er niemanden enttäuschen möchte. Er kann aber auch einfach Unbehagen haben, einem eigentlich netten Personaler eine negative Antwort zu schicken. Professionell, höflich und rechtzeitig sollte die Absage geschickt werden, für viele Bewerber ist das aber schlichtweg zu viel. Dabei kann eine höfliche und professionelle Absage durchaus die Tür für zukünftige Kontakte öffnen. Schließlich wissen viele Personaler, die Absage von Bewerberseite als verlässlich einzuschätzen.
Ist Ghosting ein Spiegel unserer Zeit?
Wir leben in einer Welt voller Informationen und Daten, was viele überfordert. Das moderne Leben ist schnell, unverbindlich und überladen mit Möglichkeiten. Digitale Räume erzeugen Distanz und mit automatisierten Antworten entsteht ein Gefühl der Anonymität. Zum stillen Rückzug kann es auf beiden Seiten viele Gründe geben. Überzeugt der erste Austausch nicht, ist die Gefahr des Abbruchs hoch.
Fehlt es an Anreiz, das Wegbleiben nicht zu entschuldigen oder die angebotene Position abzulehnen, hüllen sich Bewerber am häufigsten in Schweigen. Aufseiten der Unternehmen sind es vielmehr operative Schwächen und schlecht qualifizierte Personaler. Fehlt es an Empathie und der Fähigkeit, die langfristigen Folgen des Ghostings von Bewerbern zu beachten, rückt das Employer Branding in den Hintergrund.
Das Image eines Unternehmens sagt viel über seine Werte und Visionen aus. Spiegeln diese nicht die Wertschätzung jeder einzelnen Bewerbung wider, spüren Kandidaten nicht, dass dies die beste Adresse für sie ist. Ein von Anfang an persönlicher Kontakt kann zudem den Beziehungsaufbau erleichtern.


